
Fachthema
Psychische Gesundheit: belastete Kinder und Jugendliche stärken
Die psychische Gesundheit ist für das Wohlbefinden und die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen von großer Bedeutung. Sie stärkt die Fähigkeit, sich Herausforderungen gewachsen zu fühlen (Resilienz), unterstützt Lernprozesse und die Entwicklung sozialer Kompetenzen.
Psychische Gesundheit: Handlungs- und Präventionsbedarf
Nach Angaben des aktuellen Jugendberichtes leben rund 22 Millionen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland. Viele von ihnen nehmen in ihrem Alltag vielfältige Herausforderungen wahr, die sich auch auf ihre psychische Gesundheit auswirken. Leistungs- und Optimierungsdruck, soziale Konflikte, Sorgen um die wirtschaftliche Lage und Zukunft ... Hinzu kommen globale Ereignisse wie der Klimawandel und Kriege, die Unsicherheiten, Ängste oder Gefühle von Ohnmacht hervorrufen. Nun liefern neue Studien Hinweise, dass psychischen Belastungen und Probleme von jungen Menschen in Deutschland zunehmen. Die Befunde betonen den Handlungs- und Präventionsbedarf für die Gesellschaft, aber auch für SOS-Kinderdorf e.V. als Träger der Kinder- und Jugendhilfe.
Mit welchen Angeboten kann SOS-Kinderdorf e.V. Kinder und Jugendliche sowie pädagogische Fachkräfte für die Themen psychische Gesundheit und Mental Health sensibilisieren sowie im Umgang mit psychischen Belastungen stärken?
SOS-Qualifizierungsprogramm: Handlungssicherheit für Mitarbeiter*innen
Kinder und Jugendliche, die in Angebote der Kinder-, Jugend- und Berufshilfe kommen, sind aufgrund ihrer Erfahrungen häufig psychisch belastet. Mit seinem Qualifizierungsprogramm zum Umgang mit psychisch belasteten Kindern und Jugendlichen stärkt SOS-Kinderdorf e.V. Mitarbeiter*innen für diese herausfordernde Aufgabe:
- Wie können Fachkräfte die Verhaltensweisen von hoch belasteten Kindern und Jugendlichen besser verstehen und einordnen?
- Welche Haltungen und Interventionen können Teams entwickeln, um diesem Verhalten zu begegnen?
- Welche Rolle spielt dabei psychiatrisches und traumapädagogisches Wissen?
Persönliche Gespräche und Fallbeispiele geben Einblick, wie die Impulse und Methoden aus dem Qualifizierungsprogramm in die Praxis hineinwirken.
SOS-Mental Health Peers: ein Präventionsprogramm für die Schulsozialarbeit
Wie lassen sich Fachkräfte und junge Menschen für die Themen psychische Gesundheit und Mental Health sensibilisieren? Was stärkt Kinder und Jugendliche im Umgang mit Belastungen? Das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderte Präventionsprogramm basiert auf einem Peer-to-Peer-Ansatz, bei dem Jugendliche eine aktive Rolle in der Begleitung ihrer Gleichaltrigen einnehmen. Pädagogische Fachkräfte unterstützten sie dabei. Ziel ist es, junge Menschen darin zu fördern, sich gegenseitig Hilfestellung zu leisten sowie Schulen dazu anzuregen, Netzwerke mit Fachstellen für psychische Gesundheit aufzubauen.
Für Fachkräfte: Zum Web Based Training Traumapädagogik und psychische Belastungen bei Kindern und Jugendlichen
Studien zu Psychischer Gesundheit
Neuere Untersuchungen, die sich mit psychischem Wohlbefinden und psychischer Gesundheit von Jugendlichen beschäftigen, sind von der Pandemie geprägt; sie liefern Hinweise, dass psychische Probleme und Belastungen von jungen Menschen in Deutschland zugenommen haben.
- Die aktuelle Shell-Jugendstudie (2024) zeigt, dass junge Menschen vielfältige Herausforderungen und Krisen wahrnehmen.
- Der KIDA-Studie des Robert-Koch-Instituts (2022/23) zufolge zeigen 31 % der Kinder und Jugendlichen im Alter von 7 bis 17 Jahren psychische Auffälligkeiten, auch als Folgen der Corona-Pandemie.
- Der Kinder- und Jugendreport der DAK (2023) dokumentiert einen Anstieg der Neuerkrankungen von Depressionen bei vor allem jugendlichen Mädchen (15—17 Jahre) um 24 % zwischen 2019 und 2022.
- Die LIFE Child Studie (2020), Uni Leipzig, beschreibt, dass sich direkt zu Pandemiebeginn das psychische Wohlbefinden der Jugendlichen verschlechtert hat.
- Laut der COPSY-Längsschnittstudie (2020—2022), Uniklinik Hamburg-Eppendorf, die die Auswirkungen der Pandemie auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland untersucht, stieg die Prävalenz für psychische Auffälligkeiten von 18 % (präpandemisch) auf 31 % an und reduzierte sich 2022 auf 23 %. Somit ist der Wert 2022 noch höher als vor Beginn der Pandemie. Für gesundheitsbezogene Lebensqualität zeigt sich ein ähnlicher Verlauf.
- Die Trendstudie “Jugend in Deutschland 2024: Verantwortung für die Zukunft? Ja, aber“ verdeutlicht einen weiteren Anstieg psychischer Belastungen wie Stress (51%), Erschöpfung (36%) und Hilflosigkeit (17%) trotz des Abflauens der Corona-Pandemie.
Diese Hinweise bzw. Befunde betonen den Handlungs- und Präventionsbedarf für die Gesellschaft, aber auch für SOS-Kinderdorf e.V. als Träger der Kinder- und Jugendhilfe.